Hans-Heinrich Ehlen

Mitglied des Niedersächsischen Landtags

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Zevener Zeitung vom 20.10.2017

Menschen werden ihnen fehlen

Hans-Heinrich Ehlen und Mechthild Ross-Luttmann verabschieden sich aus dem Landtag

Von Stephan Oertel

ROTENBURG. Ein bisschen Wehmut sei schon dabei gewesen, als sie das letzte Mal im Landtag Platz nahmen, verraten Hans-Heinrich Ehlen und Mechthild Ross-Luttmann. Der Kalber hatte dort 24 Jahre seinen Platz, die Unterstedterin 15 Jahre. Wenn in einer Woche der neue Plenarsaal in Hannover eröffnet wird, wollen sie noch einmal nach Hannover fahren. Dann ist Schluss für die beiden Christdemokraten aus dem Landkreis Rotenburg.

Ihre Büros in der Landeshauptstadt werden sie nicht sonderlich vermissen, sagen beide. „Da war ich gar nicht so oft“, bemerkt Ehlen. Dank moderner Technik konnte er vieles von unterwegs erledigen. Ihre „eher funktional“ ausgestatteten Räume haben sie inzwischen geräumt und nur einige sehr persönliche Dokumente und Andenken mitgenommen. Darunter zahlreiche Briefe und teilweise auch kleine Bücher, die ihnen Bürger während ihrer Krankheit geschrieben haben. Das seien für sie sehr wertvolle Erinnerungen, betont Ross-Luttmann. Sie und Ehlen waren in ihrer Zeit als Landtagsabgeordnete an Krebs erkrankt.
Was sie vermissen seien vor allem die Menschen, mit denen sie in all den Jahren zu tun hatten. Und natürlich hatten sie auch gerne mitgestaltet. Aber nun sind neue, junge Leute da, die politisch etwas bewegen wollen, unterstreicht die 59-Jährige. Für sie sei es daher ein guter Zeitpunkt, aufzuhören. „Es war für mich immer ein Amt auf Zeit.“ Ehlen sieht das ähnlich.
Als er 1993 „holterdipolter“ in die Politik kam, saß er zunächst auf der Oppositions-, von 2003 bis 2013 auf der Regierungsbank – sieben Jahre davon als Landwirtschaftsminister. Er habe immer versucht, für die Menschen Lösungen zu finden. Zum Teil auch sehr direkt und oft mit Erfolg, wie er sagt. Der 68-Jährige ist gut vernetzt. Wichtig sei ihm außerdem gewesen, dass die Rahmenbedingungen für die mittelständische Wirtschaft stimmen und auch auf dem Lande Geld verdient werden und Entwicklung stattfinden kann.

»Man muss auch den Schneid haben, Dinge zu korrigieren. «
Hans-Heinrich Ehlen

Doch es gab auch harte Entscheidungen. Weil die Landeskasse leer war, musste er in seinem Haus 600 Stellen einsparen. Da ging es um lieb gewordene Projekte, vor allem aber um Arbeitsplätze, um Leute, die er zum Teil kannte. Jemandem wie Ehlen, dem stets auch das Menschliche wichtig ist, fällt so etwas nicht leicht. Aber der damalige Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) sei da knallhart gewesen. „Das waren mit die schwierigsten Entscheidungen meines Lebens.“ Die anfängliche Euphorie für das Ministeramt jedenfalls sei schnell verflogen gewesen.
Anders erlebte Mechthild Ross-Luttmann die Zeit des Regierungswechsels 2003. Als Landtagsneuling nahm sie vor allem die Aufbruchstimmung innerhalb der CDU-Fraktion wahr. Es habe einen engen Schulterschluss unter den Abgeordneten gegeben. Das habe vieles möglich gemacht. Zum Beispiel die Abschaffung der Bezirksregierungen, für die viele Gespräche geführt und Gesetze formuliert werden mussten. „Das war eine Wahnsinnsarbeit“, erinnert sich die Unterstedterin.

Ein Glücksfall

Ende 2005 übernahm sie dann für viereinhalb Jahre das Sozialministerium. Für die gebürtige Westfälin ein Glücksfall. Als Sozialdezernentin in der Rotenburger Kreisverwaltung habe sie immer wieder festgestellt, dass manche Bestimmungen in der Praxis den Menschen nicht gerecht werden. Und ihr war klar: Wenn sie das ändern will, muss sie dahin, wo die Gesetze gemacht werden.
Gerade als Ministerin habe sie da einiges erreicht. Nun aber bekam auch sie den Spardruck zu spüren, musste schwierige Entscheidungen treffen. Die Abschaffung des Landesblindengeldes etwa. Im Nachhinein, räumt sie ein, sei das ein Fehler gewesen, der dann aber auch wieder korrigiert wurde.
Mit ihrer langjährigen Erfahrung und sicher auch der Milde der ausscheidenden Parlamentarier, räumen die beiden Christdemokraten ein, dass längst nicht immer alles so läuft, wie man als Politiker glaubt. Wenn man ein neues Gesetz erlässt, geht man erst einmal davon aus, alles richtig gemacht zu haben, erläutert Ehlen. In der Praxis zeige sich dann aber oft, dass es doch nicht so reibungslos läuft. Dann müsse man den Schneid haben, das zu korrigieren, findet er.
Seine letzte Rede vor dem Landtag hat der Kalber dazu genutzt, allen für die Zusammenarbeit zu danken. Auf Plattdeutsch. Ross-Luttmann hielt ein Plädoyer für eine gute Debattenkultur. Der neue Plenarsaal sei hell und freundlich, das solle sich bei allen Differenzen in der Sache im gegenseitigen Umgang widerspiegeln, so ihr Appell. Dass sich auch parteiübergreifend einiges erreichen lässt, zeige im Landkreis Rotenburg das Beispiel Autobahnanschluss Elsdorf. Da hätten die Politiker aus der Region an einem Strang gezogen.
Wenn sie nun endgültig aus dem Landtag ausscheiden, werden sie nicht in ein tiefes Loch fallen, sind sich die Politiker sicher. Sie haben ehrenamtliche Aufgaben, Hans-Heinrich Ehlen freut sich zudem darauf, daheim in Kalbe wieder häufiger auf dem Trecker sitzen zu können. Bei der Eröffnung des neuen Plenarsaals in Hannover wollen sie aber gerne noch mal dabei sein. Schließlich hat der alte Landtag den auf den Weg gebracht, da sollten die Abgeordneten dann zumindest auch als erste Platz nehmen dürfen, schmunzelt Ross-Luttmann.

»Es war für mich immer ein Amt auf Zeit. «
Mechthild Ross-Luttmann

Danach ist dann Platz für die neuen CDU-Abgeordneten aus dem Landkreis: Dr. Marco Mohrmann und Eike Holsten. Ehlen und Ross-Luttmann werden sich dann verabschieden – vielleicht noch mal mit ein wenig Wehmut.

 


Freuen sich nun auf ihre neuen Aufgaben: Mechthild Ross-Luttmann und Hans-Heinrich Ehlen.
Foto Oertel

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