Hans-Heinrich Ehlen

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Bremervörder Zeitung vom 13.07.2017

Fruchtbarer Gedankenaustausch

Balitische Unternehmer-Delegation zu Gast im Landkreis Rotenburg – Empfang bei Landrat Hermann Luttmann

ROTENBURG. Kürzlich hat eine Delegation lettischer Unternehmerinnen und Unternehmer, Freiberufler und leitender Angestellter auf Einladung der „Initiative für evangelische Verantwortung in der Wirtschaft Mittel- und Osteuropas“ den Landkreis Rotenburg besucht. Die baltischen Gäste wurden von Landrat Hermann Luttmann im Rotenburger Kreishaus empfangen.

Luttmann stellte den Gästen zunächst den Landkreis vor, informierte über den politischen Aufbau und die Stärke der Fraktionen im Kreistag sowie die Gliederung der Verwaltung. Momentan habe der Landkreis 1 030 Mitarbeiter, davon 316 in Teilzeit.
Für das Jahr 2017 seien 307,5 Millionen Euro an Aufwendungen im Kreishaushalt vorgesehen, davon alleine 190,9 Millionen (62,1 Prozent) für die soziale Sicherung.
Die Bevölkerungszahl liege bei etwa 163 000 und damit etwas höher als im Jahr 2000. Die Geburtenzahlen seien seit dem Jahr 2000 von 1 793 auf 1 201 im Jahr 2011 gefallen. Inzwischen gebe es aber wieder einen Zuwachs bei den Geburten.
„In unserem Landkreis bildet ein ausgeprägter und vielseitiger Mittelstand das Rückgrat der unternehmerischen Aktivitäten“, betonte Luttmann. Das Nahrungsmittelgewerbe, der Maschinenund Fahrzeugbau sowie die regenerativen Energien seien von besonderer Bedeutung. Neben der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte in der Nahrungsmittelindustrie seien auch viele Handels-, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe direkt oder indirekt mit der Landwirtschaft verbunden.
Der Landkreis Rotenburg sei traditionell sehr landwirtschaftlich geprägt. Das werde am prozentualen Anteil der Land- und Forstwirtschaft an der Bruttowertschöpfung sehr deutlich. Er liege erheblich über den Werten für Niedersachsen und Deutschland. Die Größenstruktur der landwirtschaftlichen Betriebe verändere sich permanent, die Zahl der Betriebe nehme ab, die Größe der Betriebe zu.
Die Bioenergie habe im kreisweit große Bedeutung. „Gut 150 Biogasanlagen produzieren Biogas für die Wärmeversorgung von Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Privathaushalten und für die Stromerzeugung“, sagte der Landrat. Die Wertschöpfung werde gestärkt, und es gebe neue Einkommensquellen. Vor allem sei es aber ein erster Schritt, um sich von fossilen Energieträgern unabhängig zu machen.
Im Rahmen einer intensiven Diskussion wurden die Flüchtlingsproblematik, die Situation der Krankenhäuser und die Ärzteversorgung im Landkreis behandelt.
Der Anspruch, unternehmerisches Handeln in christlicher Verantwortung auszuüben, habe heute eine große Bedeutung, betonte Marco Mohrmann. Die bestmögliche Wohlfahrt für die Menschen biete die Orientierung am Markt. Kleine und mittelständische Unternehmer könnten dies besonders gut. „Sie tragen mit ihrem Eigentum Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Familien und das Wohlergehen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bester Beweis sind die vielen Unternehmen in unserem Landkreis. Denn hier zeigt sich besonders deutlich, dass privatwirtschaftliches Engagement das Rückgrat einer guten Entwicklung ist“, so Mohrmann.
Hans-Heinrich Ehlen wies darauf hin, dass die „Initiative für evangelische Verantwortung in der Wirtschaft Mittel- und Osteuropas“ zwischen Kirche und Mittelständlern funktionierende Beziehungen ermögliche. Ebenso unterhalte der Verein vielfältige Kontakte zu Unternehmern in Osteuropa. Mit unterschiedlichen Aktivitäten ebne man Wege für Kooperationen von Unternehmern und Freiberuflern aus verschiedenen Ländern. „Der Gedankenaustausch zwischen den lettischen und deutschen Freunden muss deshalb fortgesetzt und intensiviert werden“, so Ehlen.
Initiative-Regionalsprecher Albert Rathjen betonte, dass es im Reformations-Jubiläumsjahr angebracht sei, auf das protestantische Erbe und einen vielfach vernachlässigten Schatz hinzuweisen, der für die Kirchengemeinden nutzbar gemacht werden müsse nämlich „das evangelischlutherische Berufspotenzial“ für Menschen, die bereit seien, als Eigenverantwortung zu übernehmen und die Risiken des Aufbaus einer selbstständigen wirtschaftlichen Existenz zu tragen.
Die vorreformatorische Bedeutung von „Beruf“ sei religiös gefärbt; sie habe wie unser heutiges Wort „Berufung“ dem Ruf Christi in seine Nachfolge gegolten, insbesondere in das geistliche Amt, den Stand des Priesters. Luther habe diese Bedeutung ausgeweitet. Der Ruf Christi sei für ihn nicht auf das Priestertum und das geistliche Amt beschränkt, sondern habe gleichermaßen für jeden „Stand“ gegolten, für jede Aufgabe des Christen, die dem Nächsten zugute komme. Mit dem Begriff „Beruf“ habe Martin Luther den einzelnen Menschen in ihren gesellschaftlichen Bezügen eine neue Würde und Bedeutung verliehen.
Der zentrale und neue Begriff „Beruf“ bringe ein hohes Maß an Würde im Alltag der Welt, aber auch zugleich ein hohes Maß an Verbindlichkeit im Alltag der Welt. Der Mensch sei er selbst verantwortlich für sein Tun und Handeln. „Wer dem Ruf Gottes folgt, unterstellt sich in jedem ehrlichen Beruf dem Gebot Gottes und findet dort die Chance und Aufgabe, dem Nächsten und dem Gemeinwohl in sachorientierter Berufsarbeit zu dienen“, sagte Rathjen.
Zum Abschluss des Besuches im Kreishaus dankte Landrat Hermann Luttmann der Leiterin der lettischen Delegation, Mara Liguta, und der lettischen Dolmetscherin Guna Beikerte für die fruchtbare Zusammenarbeit. (bz)


Initiative-Regionalsprecher Albert Rathjen (vorn, rechts), Landrat Hermann Luttmann (vorn, links), der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Heinrich Ehlen MdL (zweite Reihe, links) und Dr. Marco Mohrmann (dritte Reihe, links) mit der lettischen Delegation.

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