Hans-Heinrich Ehlen

Mitglied des Niedersächsischen Landtags

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Bremervörder Zeitung vom 02.07.2016

„Moderne Gesellschaft braucht eine moderne Landwirtschaft“

Brief aus Hannover: Heute schreibt der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Heinrich Ehlen aus Kalbe – Landwirte verärgert über derzeitige Situation

Liebe Leserinnen und Leser,
die gesunkenen Weltmarktpreise und der russische Importstopp für EU-Agrarprodukte führen bei vielen landwirtschaftlichen Betrieben zu dramatischen finanziellen Einbußen. Und als würden die tiefen Sorgenfalten auf der Stirn der Landwirte nicht genügen, treiben die vielen (nicht)-fachmännischen Forderungen der Rot-Grünen-Regierungspolitik und einiger Gesellschaftsgruppen zu den Themen Agrarwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion den Landwirten noch zusätzlich Zornesröte ins Gesicht.
Bereits vor einem Jahr forderte ich an dieser Stelle, dass wir keine Agrarwende, sondern eine Verbraucherwende brauchen. Daran hat sich nichts geändert, leider auch nicht daran, dass zu viele Konsumenten höchste Qualität zum kleinsten Preis zu fordern. Doch das kann nicht funktionieren, wenn die Landwirte gleichzeitig den wachsenden Anforderungen an Umwelt, Tierwohl, Klimaschutz, Wasserschutz, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, Baugesetzen, Geruchsimmissionsrichtlinien und vieles mehr gerecht werden wollen und müssen. Folglich verschärft sich der Kostendruck immer mehr. Händeringend suchen die Landwirte nach bezahlbaren Lösungen, um weiterhin ihren Betrieb und den wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden. Zahlreiche Bauern mussten ihren Hof bereits aufgeben, weil sie diesem Druck nicht standhalten konnten. Neben Rückgängen bei den Schweine- und Geflügelhaltern ist die Lage der Milchviehbetriebe besonders prekär: Laut Statistischem Bundesamt ist ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr bundesweit um 4,6 Prozent gesunken.
Zu denken geben sollte, dass so mancher Betriebsnachfolger seinen Hof nicht nur wegen geringer Ertragsaussichten schweren Herzens aufgibt oder überlegt es zu tun, sondern weil er nicht mehr als Schuldiger für alles Übel an den Pranger gestellt werden will. Er will nicht länger der Fußabtreter der Gesellschaft sein will. Während sich der Berufsstand mit Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit um Anerkennung seiner Arbeit bemüht, transportieren etliche rot-grüne Politiker nach wie vor ein falsches Bild moderner Landwirtschaft.  Der Spruch: „Alt und klein ist gut - groß und neu ist böse“, geht an der Lebensrealität meilenweit vorbei. Eine moderne Gesellschaft braucht eine moderne Landwirtschaft, die den heutigen hohen Anforderungen gerecht wird. Keine verstaubte, nur scheinbar heile Welt aus alten Kinderbilderbüchern.
Die Agrarmärkte werden immer mehr geöffnet.  Den Weltwirtschaftsabkommen, wie die GATT-Verträge (allgemeine Zoll- und Handelsabkommen) oder bilateralen Verträgen von der EU zu China, Indien, Südamerika, Japan, Russland, USA können sich Landwirte nicht dauerhaft widersetzen. Staatliche Marktsteuerungsinstrumente wie Milchquoten, Zuckermarktordnung oder Tabakmarktordnung wurden deshalb beendet. Eine Marktorientierung kann nicht staatlich gelenkt werden. Zur Erinnerung: Auch mit der Milchquote hat es in den Jahren 2008/2009 Niedrigpreise gegeben. Den harten Preiswettbewerb kennen auch die Schweine- und Geflügelproduzenten. Allen ist bewusst, dass auf Angebot und Nachfrage nur die Agrar- und Ernährungswirtschaft selber reagieren kann.
Der Staat kann nur flankierend mit Unterstützungspakten helfen. Denkbare Möglichkeiten wären Steuerstundung, Bürgschaften, Beihilfe zur privaten Lagerhaltung, Öffnung von Exportmärkten oder das  Aussetzen von übertriebener Gängelung (Dokumentationspflichten, Verbot von Betriebsmitteln).
Um auf dem neuesten Informationsstand zu sein, bietet die Tarmstedter Ausstellung vom 8. bis 11. Juli mit innovativen, technischen Neuheiten, Diskussionsforen und Informationsveranstaltungen ein umfassendes Angebot. Jeder Besucher kann sich auf der größten Regionalausstellung für Landwirtschaft und Tierzucht mit rund 750 Ausstellern ein Bild von der modernen, nachhaltigen Landwirtschaft machen. Für die Landwirte werden die diesjährigen Trendthemen „Arbeit effizienter und kostengünstiger erledigen“ sowie „bezahlbare Lösungen für höhere Ansprüche an Tierwohl und Umwelt in die Praxis bringen“ besonders interessant sein.

Ihr
"Heiner" Ehlen

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