Hans-Heinrich Ehlen

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Sonntagsjournal der Zevener Zeitung vom 27.12.2015

Mittelstand und Kirche

Initiative-Regionaltagung in Lauenbrück mit guter Beteiligung

Lauenbrück. Im November hat die „Initiative für evangelische Verantwortung in der Wirtschaft Mittel- und Osteuropas e.V.“ eine Regionaltagung unter dem Gesamtthema „Mittelständische Unternehmen zwischen Bedrängnis und Bewährung“ in Lauenbrück durchgeführt. Gastgeber war die Firma Atlas von der Wehl.

Initiative-Regionalsprecher Albert Rathjen (Bremervörde) konnte eine große Zahl von Mitgliedern und Gästen begrüßen. Er wies darauf hin, „dass unternehmerisches Denken und Handeln sowie Risikobereitschaft eine wichtige Bedeutung für die Soziale Marktwirtschaft haben und christliche Werte dabei eine Orientierungshilfe sein können“. In einer Welt, die von stetem Wandel geprägt sei, brauche man schöpferische Persönlichkeiten, „die sich den jeweiligen Herausforderungen stellen“. Das gelte für alle Bereiche des menschlichen Lebens, insbesondere natürlich für den wirtschaftlichen Bereich. „Und im wirtschaftlichen Bereich ist es der Unternehmer“, so Rathjen.
Die „Initiative für evangelische Verantwortung in der Wirtschaft Mittel- und Osteuropas“ habe sich das Ziel gesetzt, „evangelische Kirchen in Mittel- und Osteuropa zu ermutigen, den Existenzgründern und kleinen und mittleren Unternehmern in ihren Gemeinden Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten“. Dabei stelle der Verein wichtige Erfahrungen in mittelständischer Unternehmensführung zur Verfügung, beispielsweise als Referenten in Fortbildungsseminaren.
Ebenso organisiere der Verein international Begegnungen für kleine und mittlere Unternehmer sowie für Freiberufler. Ein besonderer Teil der Arbeit des Vereins seien die Hospitationen. Durch dieses Programm sei es möglich, dass meistens jüngere Kleinunternehmer oder Selbstständige in Deutschland bei Partnerunternehmen hospitieren können.
„Die Mitglieder des Vereins verbindet der christliche Glaube und die Erfahrung, dass er gerade in evangelischer Prägung auch Lebenshilfe im Beruf sein kann“, sagte Rathjen. Martin Luther habe einmal gesagt: „Geistliche Berufe sind Gott nicht wohlgefälliger als die weltlichen Berufe.“ Das Feld der Bewährung für den Glauben an Gott und die Liebe zum Nächsten liege für jeden Christen in der Regel in einem weltlichen Beruf. Die lutherische Wortschöpfung „Beruf“ sei bekanntlich bewusst vom Begriff „Berufung“ abgeleitet. Wer dem Anruf Gottes folge, unterstelle sich in jedem Beruf dem Gebot Gottes und finde dort eine Chance und Aufgabe, dem Nächsten und dem Gemeinwohl in sachorientierter Arbeit zu dienen, also auch in erfolgreicher unternehmerischer Tätigkeit.
Der Geschäftsführende Gesellschafter, Hermann von der Wehl, stellte die inhabergeführte Firmengruppe vor, die seit 50 Jahren als Vertragshändler für Baumaschinen, LKW-Ladekrane und Containerwechselsysteme sowie als LKW-Aufbauhersteller erfolgreich tätig sei. An drei Standorten in Nordniedersachsen und Hamburg seien 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und etwa 30 Auszubildende im Fahrzeugbaubetrieb, Reparatur- und Ersatzteilservice sowie im Vertrieb und in der Vermietung beschäftigt. Dieses mittelständische Unternehmen habe für den ländlichen Raum eine wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung.
Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Scheeßel, Jürgen Lange, hat über das Thema „Die Auswirkungen der Euro-Krise für die mittelständische Wirtschaft“ referiert. Er machte deutlich, dass Deutschland in den letzten zehn Jahren eine geringere Inflationsrate gehabt habe als in den D-Mark-Zeiten. In ersten Linie gebe es aber eine Staatsschulden-Krise. Die Bankenrettung nach der Finanzmarktkrise in den Jahren 2007 und 2008 sei nur ein willkommener Anlass zur Rechtfertigung der strukturell bedingten hohen Staatsverschuldung in einigen südeuropäischen Ländern sowie in Irland. Bei der Einführung des Euro habe man allerdings Fehler gemacht. „Man hätte eine Rausschmiss-Klausel formulieren müssen. Ebenso wäre es sinnvoll gewesen, den Menschen zu sagen, dass dadurch eine Transfer-Union entstehen würde“, sagte Lange. Ein finanzwirtschaftlicher Vermögenstransfer von Nord- nach Südeuropa sei wegen Vermeidung weiterer Völkerwanderungen notwendig geworden. Aber auch in Deutschland gebe es ja einen Vermögenstransfer über den Länderfinanzausgleich. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) fördere allerdings auch die Schuldenlast. Der niedrigere Zins erleichtere jedoch das Tragen der Schulden. So gebe es für den deutschen Staatshaushalt erhebliche Vorteile.
Auch für die deutschen mittelständischen Unternehmen sei diese Entwicklung von Vorteil, denn die Finanzierungskosten für Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen seien dadurch günstig. Ebenso steige der private Konsum. Allerdings werde weniger Geld gespart. „Und für die Altersvorsorge können dadurch Probleme entstehen“, so Lange.
Die Niedrigzinspolitik der EZB sei allerdings unberechenbar, schließlich sei Draghi selbst „Süd-Europäer“. Ein möglicher „Grexit“ sei durchaus verkraftbar. Griechenland wäre dann nicht mehr an die Euro-Geldpolitik gekoppelt. Und wenn es einer Währung schlecht geht, dann könne sie abgewertet werden und sich langsam wieder erholen.
„Insgesamt hat der Euro für die deutsche mittelständische Wirtschaft positive Effekte, denn die Wechselkursrisiken fallen weg und die Kalkulationssicherheit wird besser. Das ist auch deshalb wichtig, weil die mittelständische Wirtschaft einen hohen Außenhandelsanteil hat“, sagte Lange.
Nach einer intensiven Diskussion hielt Pastor Lars Rüter aus Lauenbrück die Schlussandacht. (SI/SAS)


Hans-Heinrich Ehlen MdL, Jürgen Lange, Albert Rathjen, Hermann von der Wehl und Landrat Hermann Luttmann (von links).

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