Hans-Heinrich Ehlen

Mitglied des Niedersächsischen Landtags

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Bremervörder Zeitung vom 25.07.2015

„Brauchen keine Agrar-, sondern Verbraucherwende“

Brief aus Hannover: Heute schreibt der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Heinrich Ehlen aus Kalbe an die BZ-Leser

Liebe Leserinnen und Leser,
für Niedersachsen als Agrarland Nr. 1 in Deutschland sind der ländliche Raum, die Landund Ernährungswirtschaft und der Verbraucherschutz von zentraler Bedeutung. Den hohen Stellenwert der Landwirtschaft in unserer Region zeigte abermals die Tarmstedter Ausstellung, die vor zwei Wochen an vier Tagen knapp 100 000 Besucher anlockte. Mehr Tierwohl, mehr Präzision und mehr Kostenbewusstsein hießen in diesem Jahr die Trendthemen. Die Landwirte stellen sich den wachsenden Anforderungen, arbeiten nachhaltig und investieren in moderne Technik.
In der Öffentlichkeit ist indes häufig von der „Agrarwende“ die Rede. Die Landwirte haben erkannt, dass sich hinter diesem wohlklingenden Schlagwort nicht die Lösung verbirgt. Es geht um eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die ein Umdenken erfordert. Was von einigen politischen Parteien und weiten Teilen der Gesellschaft vehement gefordert wird, können
sie selbst inhaltlich nicht klar definieren. Es umfasst ein Sammelsurium an Forderungen, das von den Themen Pflanzenschutz, Gentechnik und Tierwohl bis hin zu Leistungsbeschränkung bei Milchkühen, Massentierhaltung und vieles weitere mehr reicht.
Dabei vergessen sie, dass es nicht unsere Landwirte sind, die vorgeben, was sie anbauen oder produzieren. Landwirte sind Unternehmer, die sich am Markt behaupten müssen. Die Nachfrage der Verbraucher allein bestimmt die Produktpalette, die auf Feldern und in den Ställen zum Tragen kommt und einen Erfolg für den Landwirt verspricht. Im Klartext heißt das: Der Handel bestimmt die Konditionen und die Bauern produzieren nur, was der Verbraucher verlangt.
Leider gibt es hier ein Handlungsdefizit beim Verbraucher. Meinungsumfragen zufolge sind Kunden gerne bereit, mehr Geld für Nahrungsmittel auszugeben. In der Konsequenz wird dieser gute Ansatz durch die „Geiz-istgeil- Stimmung“ von der eigenen Geldbörse ausgehebelt, und es landen doch die günstigsten Angebote im Einkaufswagen.
Das veränderte Einkaufs- und Essverhalten spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Für eine ausgewogene Ernährung nehmen sich viele Menschen in der Hektik des Alltags oft zu wenig Zeit. Vermehrt wird außer Haus in Kantinen und in der Erlebnisgastronomie gegessen, einfache Kenntnisse über Grundnahrungsmittel sind nicht mehr selbstverständlich. Der Lebensmitteleinzelhandel ist dabei als Mittler zum Verbraucher anzusehen. Durch gezielte Werbung und Angebote beeinflusst und steuert er das Einkaufsverhalten der Kundschaft.
Es ist daher der falsche Ansatz, ständig auf die produzierende Landwirtschaft zu schimpfen oder ideologisch begründete Nostalgie- Diskussionen zu führen. Auch lässt sich der Verbraucher nicht bevormunden wie die Erfahrung mit dem „Veggie Day“ bewiesen hat. Mit dieser Idee im Wahlprogramm der Grünen hat man der Bevölkerung vorschreiben wollen, was wann zu essen ist. Das hat nicht funktioniert, und die Partei hat hierfür die entsprechende Ablehnung erfahren.
Die neue Generation der Landwirte sind gut ausgebildete, oftmals studierte, Agrarexperten, denen das Tierwohl sowie der Natur- und Pflanzenschutz am Herzen liegen. Das bestätigt sich auch auf der Tarmstedter Ausstellung in etlichen Fachgesprächen und Diskussionen jedes Jahr aufs Neue.
Wenn also der Verbraucher etwas anderes oder neues verlangt, werden die Landwirtschaft und das Ernährungsgewerbe diesen Wünschen sehr schnell nachkommen. Was wir brauchen ist keine Agrarwende, sondern eine Verbraucherwende.

IHR HEINER EHLEN

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